Sorgen über die Gewinne und Bilanzen der Banken verstärkten die negative Stimmung am Aktienmarkt insgesamt. (UBS)

Zuvor hatte ein Darlehensgeber aus dem Silicon Valley vor hohen Verlusten durch Anleihenverkäufe gewarnt, die zur Deckung ungewöhnlich hoher Abhebungen von Kunden getätigt wurden. Die Aktie der SVB Financial Group fiel um 60% (und weitere 20% im nachbörslichen Handel), nachdem das Unternehmen eine Kapitalerhöhung und die Ausgabe von Wandelanleihen zur Verbesserung seiner Bilanz bekannt gegeben hatte.


Die Probleme der SVB Financial Group liessen die Befürchtung aufkommen, dass es auch bei anderen US-Banken zu Verlusten aus Anleihenbeständen kommen könnte. Viele dieser Institute investierten stark in US-Treasuries mit langer Duration, nachdem die Einlagen während der Pandemie deutlich gestiegen waren. Der Wert dieser Wertpapiere gab jedoch nach, da die US-Notenbank Fed ihre Zinsen angehoben hat. Vor Kurzem warnte die FDIC, dass US-Darlehensgeber in ihren Wertpapierportfolios unrealisierte Verluste im Umfang von USD 620 Mrd. aufweisen. Die Anlegerinnen und Anleger scheinen besorgt zu sein, dass Bankkunden ihre Einlagen abheben könnten, um sie in renditestärkere Anleihen mit kurzer Duration zu investieren.


Die Sorge um das Bankensystem führte auch zu einem Rückgang der Renditen 2-jähriger US-Treasuries um 15 Basispunkte (Bp.), denn die Anleger zogen die Möglichkeit in Betracht, dass die Fed bei ihrer Sitzung im nächsten Monat wegen der jüngsten Entwicklungen langsamere Zinserhöhungen beschliessen könnte. Zu diesen Ereignissen kam es vor der Veröffentlichung des US-Beschäftigungsberichts für den Februar. Es wird erwartet, dass die Arbeitslosenquote in der Nähe des 69-jährigen Tiefstands von 3,4% bleiben wird.


Was bedeutet das für Anlegerinnen und Anleger?


Der Finanzsektor hat am MSCI ACWI Index einen Anteil von 15% und wir beurteilen ihn weltweit neutral. Innerhalb des Sektors schätzen wir europäische Finanzwerte neutral ein und stufen US-Finanzwerte bereits seit einiger Zeit mit «Least Preferred» ein, weil ihre Finanzierungskosten steigen und die Risiken hinsichtlich der Kreditkosten, einer steigenden Arbeitslosigkeit und einer schwachen Kapitalmarkttätigkeit zunehmen. Nach unserer Meinung sind die Belastungen des Sektors aber beherrschbar.


Im Moment erkennen wir keine klassischen Anzeichen für ein Übergreifen dieses Vorfalls, wie einen Stress am Interbankenmarkt. Den geschätzten unrealisierten Verlusten im Umfang von USD 620 Mrd. stehen laut Financial Times ein gesamtes Eigenkapital der Branche von USD 2,2 Bio. sowie insgesamt realisierte Verluste des letzten Jahres von USD 31 Mrd. gegenüber.


Seit der globalen Finanzkrise müssen Banken eine Mindestliquiditätsquote über 100% aufrechterhalten und genügend hochwertige Vermögenswerte aufweisen, um Abflüsse der Einlagen ausgleichen zu können. In der Praxis bedeutete dies, dass sie beträchtliche US-Treasuries hielten. Den Banken ist es gestattet, diese Anleihen zu den Anschaffungskosten in Konten zu bilanzieren, die als «zur Veräusserung verfügbar» oder «bis zur Fälligkeit gehalten» klassifiziert werden. Sie müssen Marktwertverluste nicht unmittelbar dann realisieren, wenn der Wert der Anleihen nachgibt. Es ist jedoch möglich, dass Banken Verluste realisieren müssen, wenn sie beträchtliche Einlagenabflüsse aufweisen, die ausbezahlt werden müssen. Solche Abflüsse könnten aber durch eine Anhebung der Einlagenzinsen vermieden werden, wenn dies auch die Gewinne verringern würde. Darüber hinaus wird der Umfang der unrealisierten Verluste wieder abnehmen, sobald die Zinsen sinken.


Die jüngsten Entwicklungen bestätigen uns in unserer negativen Beurteilung von US-Finanzwerten. Darüber hinaus verstärkten die Sorgen über die Gewinne und Bilanzen der Banken die negative Stimmung am Aktienmarkt insgesamt.


Wie investieren wir?


In unserer US-Strategie beurteilen wir Finanzwerte nach wie vor mit «Least Preferred». Anlegern, deren Engagement die Gewichtung der globalen Finanzwerte in der Benchmark überschreitet (15% des MSCI ACWI), empfehlen wir, diese Positionierung zu überprüfen. Stattdessen ziehen wir es vor, das zu hohe Engagement wegen der zunehmenden Risiken für die US-Wirtschaft in defensivere Bereiche umzuschichten. Wir bevorzugen den globalen Basiskonsumgütersektor, wo die relative Gewinndynamik positiv ist und stärker wird.


Darüber hinaus ziehen wir gegenwärtig im Fixed-Income-Bereich erstklassige Anleihen vor. Ihre Gesamtrenditen bleiben unseres Erachtens attraktiv, vor allem im Vergleich mit anderen Anlageklassen. Die Anlegernachfrage nach Anleihenanlagen ist ebenfalls gestiegen. Wir geben erstklassigen Anleihen und Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating immer noch den Vorzug. Bei Hochzinsanleihen zeichnen sich durch das langsamere Wirtschaftswachstum und die Gewinnentwicklung in den Industrieländern zukünftig höhere Ausfallrisiken ab, weshalb wir sie mit «Least Preferred» beurteilen.


Wesentliche Beiträge von: Mark Haefele, David Lefkowitz, Christopher Swann, Vincent Heaney, Jon Gordon


Der Inhalt ist ein Produkt des Chief Investment Office (CIO).


Originalbericht: Concern over banks unsettle US market, 10. März 2023.